Autor Thema: Bezeichnungen/Bauteile und Übersicht von Ausführungen der KKK ATL  (Gelesen 48464 mal)

Andi T.

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Vielen Dank an "Zerwas" der unermüdlich seine Freizeit opfert:  ;)

Bezeichnungssystem nach KKK - BorgWarner

Die Bezeichnung sind in zwei Teilsysteme aufgeteilt. Es wird in der Abgasseite (Abgasturbine) und Frischluftseite (Verdichter) unterschieden.

1. Läufer und Abgasgehäuse

Ersteinmal die blanke Theorie mit anschließenden konkreten Beispielen!

Grundlgend werden die ATL in Baugrößen / Leistungsgruppen unterteilt:

K0 --> (z.B. K03, K04)
K1 --> (z.B. K14, K16)
K2 --> (z.B. K24, K26, K27, K29)
K3 --> (z.B. K31)
K4 --> (z.B. K44)

Dabei beginnt die Bezeichnung der ATL z.B. (K16, K24...) immer mit der Abgasturbine. Diese sitzt auf einer Welle (Läufwerwelle). Die Welle und das Turbinenrad sind ein Bauteil und werden als Läufer bezeichnet.
Die Turbinen sind natürlich unterschiedlich groß und begrenzen damit den Einsatzbereich des ATL (Abgasturbolader) maßgeblich.
Der Eintrittsdurchmesser D ist der große Durchmesser, der sich über die Kontur zum Turbinenaustritt verjüngt. Er ist für charakteristisch für die jeweilige Baugröße und immer gleich.

Eintrittsdurchmesser ("D") einiger ausgewählter Abgasturbinen:

K03: D = 45 mm
K04: D = 50 mm
K16: D = 55 mm
K24: D = 59 mm
K26: D = 64,4 mm
K27.2: D = 70 mm
K27: D = 76 mm

Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen. Zum Beispiel gibt es auch K24 Turbinen mit einem Einlassdurchmesser von 57 mm (Porsche 993/996 GT2).
Die jedoch auch der Basisturbine entsprechen und "nur" von 59 auf 57mm abgeschliffen sind. So ist ein "drehzahlfesteres" Turbinenrad entstanden, bei annähernd gleichem Durchsatzverhalten.

Die Austrittsseite hingegen kann innerhalb der einzelnen Turbinen unterschiedlich ausfallen. Hier Spricht von der sogenannten "Kontur". Diese Kontur beschreibt das Verhältniss von Turbinen-Austritt (d) zu Eintritt (D) in Prozent.

Übersicht ausgewählter Konturen (d/D):

K03, K04, K16

Kontur 1 d/D = 74,5 %
Kontur 2 d/D = 84,0 %
Kontur 8 d/D = 89,5 %

K24, K26, K27.2, K27

Kontur 1 d/D = 84,0 %
Kontur 2 d/D = 89,5 %
Kontur 3 d/D = 74,5 %

So ergeben sich z.B. für eine K24 Turbine mit Kontur 3 ein Auslassdurchmesser d = 44 mm, bei Kontur 2 ein d = 52,8 mm. Bei gleichen Turbineneintritt von D = 59 mm.
Der Austrittsdurchmesser ist entscheident für den Druck vor Turbine. Je Größer der Auslass, umso geringer ist der Abgasgegendruck (p3) vor Turbine und somit wird weniger Abgas zurück in den Brennraum gedrückt (Ausschiebearbeit des Motors geringer).
Das heißt also, dass ein größerer Auslassduchmesser bei gleichem Ladedruck die Füllung (Liefergrad + Luftaufwand) verbessert (Motorleistung steigt). Höherer Ladedruck erhöht logischerweise den Verbrennungsdruck und damit den Druck auch vor der Turbine.
Ergo wird auch der sinnvolle Ladedruck durch die Turbine begrenzt. Es gibt dem nach Bereiche bei denen eine Laderuckerhöhung bei Beibehaltung der gleichen Turbine und Kontur keinen Sinn mehr machen, weil eine Mehrleistung durch zu hohen Abgas- (Rest)gasanteil im Zylinder nicht mehr erziehlbar ist.
Zudem steigt die Verbrennungtemperatur und die Klopfneigung erhöht sich. Man gelangt somit schneller an die Grenzen des Materials (T3 ca. 970 ° C bei "D5S").

Eine K24 Kontur 2 Turbine (52,8 mm) kann somit durchaus Leistungsfähiger als eine K26 Turbine (z.B. Kontur 3 mit d = 49 mm) sein.
Turbinen mit kleiner Kontur erlauben dahingend ein besseres Ansprechverhalten. Das liegt zumeist an der geringeren Masse und dem Umstand, dass das Gas länger auf den Schaufeln den Läufer beschleunigen kann, als bei einer großen Kontur.

Diese Vorgänge sind natürlich rech dynamisch und hier in einer recht einfachen Form erklärt!


Die Turbinensradgeometrie beschreibt die Form der Schaufeln. Es gibt verschiedene "Spiralen", die häufigste ist die "G-Spirale". Sie wird heute immernoch sehr häufig eingesetzt.

Wenn wir nun die Bezeichnung K24 2672 GGC 6.12 GBARK (RS2 Lader) sehen wissen wir nun schon folgendes:

Es handelt sich um einen K24 ATL (Turbine = K24) mit 59 mm Einlassdurchmesser und Kontur 2 (52,8 mm AUslassdurchmesser). Das Turbinenrad ist ein "G" Rad.

Das Turbinengehäuse ist ein weiteres wichtiges Bauteil der Abgasseite. Grundlegend gibt es welche mit einflutigen (single scroll-->"1") und zweiflutigen (twin scroll-->"2") Eingängen.
Aufgrund der Zündfolge machen beim Fünfzylinder nur die einflutigen Turbinengehäuse Sinn.
Der lezte Buchstabe der unten aufgeführten Bezeichnung kennzeichnet das Turbinengehäuse Material. Hier steht das "K" für "D5s" also Austenitisches Gusseisen mit 35 Massen % Nickel, welches für Anwednungen bis ca. 970 ° C geeignet ist.

K24 2672 GGC 6.12 GBARK

Der Buchstaben "B" und "A" sind für den Nomalnutzer weniger interessant und geben Auskunft über die Turbinengehäuse Geometrie und Konstuktionszustand. "R" beschreibt die Flanschform. Also in dem Fall den uns bekannten Flansch, welcher auch manchmal als K24/K26 Flansch bezeichnet wird.
Die "6" in der Bezeichnung gibt Auskunft über den Turbinenhalsquerschnitt A in cm².
A beschreibt die Querschnittsfläche des Turbinenkanals an der Übergangsstelle Turbineneintrittskanal zum Turbinenrad (Spiralzunge) mit entsprechendem Radius R.

A/R ~ Turbinenschluckvermögen

Je kleiner die Fläche bei gleichen Radius destso schneller kann die Turbine beschleunigen, fängt aber auch früher an zu stopfen (Druck, Temperatur vor Turbine steigt). Es gibt natürlich verschiedene Varianten von Turbinengehäusen. Zum Beispiel gibt es für den Ottobetrieb geeignete Größen für K26 Turbinen der Querschnittsfläche (4), 6, 8 und 10 cm².


Zusammenfassung/Abgasseite bei Bezeichnung RS2 ATL: K24 2672 GGC 6.12 GBARK

K24 mit D = 59 mm, d = 52,8 mm (Kontur 2), 6 cm² Abgasgehäusequerschitt, einlutiges Turbinengehäuse, "D5S" Turbinengehäusematerial, G-Spirale Abgasturbine, "K24/26" Abgasturbinenflansch.

Soweit erstmal dazu. Als nächstes folgen dann Bilder von häufig eingesetzten Läufern bei den Fünfendern.

Mit freundlichen Grüßen,

Richard.
« Letzte Änderung: 27. September 2011, 12:34:18 von Andi T. »

Andi T.

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Re: Bezeichnungen/Bauteile und Übersicht von Ausführungen der KKK ATL
« Antwort #1 am: 27. September 2011, 12:33:27 »
Danke an speedrs4 für seine Mühen!

Bei den Abgasseiten und Turbinenrädern spielen die "Flächen" im Abgasgehäuse und dessen möglichen Variationen eine große Rolle.

Schneckengröße und Schneckeneintritt, Schneckenaustritt ( Schlitz ) in dem der Läufer mit seinen Schaufelspitzen rotiert, Austrittsgröße ( kleiner Turbinenraddurchmesser ) in das Hosenrohr.

Sehr schön kann man das bei den K16 Abgasseiten zur der K24 Abgasseite erkennen.
Die K16 7.88 zur 8.88 Abgasseiten unterscheiden sich "nur" im Halsquerschnitt und hier
werden die Abgase bei der 7.88 etwas mehr aufgestaut und der Läufer rotiert somit früher.
Bei der K16/24 Abgasschnecke ist der Unterschied zur der K16 7/8.88 sehr groß.
Größtmöglicher Eintritt in die Schnecke, 3mm breiterer Schlitz, großer Austritt.

Abgasseite K24 10.80 links, K16 7.88 mit montierten Läufer

Ringspalt K24 mit 10mm links im Bild, rechts K16 mit 7mm

Tom

Andi T.

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Re: Bezeichnungen/Bauteile und Übersicht von Ausführungen der KKK ATL
« Antwort #2 am: 05. Oktober 2011, 21:45:05 »
Hallo liebe Turboforumgemeinde,
 
hier nun wie versprochen Bilder und einige Zusatz - Informationen zu häufig verwendeten Läufern beim R5 20 V Turbo.



Die Bilder stammen von folgenden Läufern:

K24.2 Kontur 3

Der wohl am meisten verwendete Läufer hier im Forum. Er stammt aus dem K24/7000. Verbaut wurde er in: RR, 3B, AAN, ABY, MC2.

Hier einige Daten:

8,5 mm Läuferwelle mit schwimmender 2-Buchsen-Gleitlagerung
3-Keilflächen Axiallager (Wandstärke 3 mm)
Geeignet für 5,4 mm Verdichterradnabe
Turbineneintritt D: 59 mm
Turbinenaustritt d: 44 mm
Turbinenaustrittsfläche: 1520,5 mm² - 280,6 mm² (Nabe K24) = 1239,9 mm²
Masse: 210 g
polares Trägheitsmoment:0,40 kgm² * 10 ^(-4)
 
K24 Kontur 2

Dieser Läufer stammt aus dem K24/7200. Er wurde nur im RS2 (ADU) verbaut, kein anderes Fahrzeug hat diesen Läufer. Demnach ist er sehr selten und dem endsprechend wertvoll.

Hier einige Daten:

10 mm Läuferwelle mit schwimmender 2-Buchsen-Gleitlagerung
3-Keilflächen Axiallager (Wandstärke 4 mm)
Geeignet für 7 mm Verdichterradnabe
Turbineneintritt D: 59 mm
Turbinenaustritt d: 52,8 mm
Turbinenaustrittsfläche: 2189,6 mm² - 280,6 (Nabe K24) = 1909,0 mm²
Masse: 226 g
polares Trägheitsmoment:0,43 kgm² * 10 ^(-4)
 
K26 Kontur 1

Ein ebenfalls häufig angewandter Läufer. Dieser wurde in den alten K26 vom Audi 200 und Urquattro verbaut aber auch Porsche nutzte diese Läufer.

Hier einige Daten:

10 mm Läuferwelle mit schwimmender 2-Buchsen-Gleitlagerung
3-Keilflächen Axiallager (Wandstärke 4 mm)
Geeignet für 7 mm Verdichterradnabe
Turbineneintritt D: 64,4 mm
Turbinenaustritt d: 54,5 mm
Turbinenaustrittsfläche: 2332,8 mm² - 343,1 mm² (Nabe K26) = 1989,7 mm²
Masse: 291 g
polares Trägheitsmoment:0,74 kgm² * 10 ^(-4)
 
Wie bereits beschrieben kommt dem Austrittsdurchmesser bzw. der Austrittsfläche der Turbine eine besondere Rolle zu. In Verbindung mit den rotierenden Massen bzw. dessen Trägheitsmoment kann man recht gut den möglichen Einsatzbereich (Leistungsbereich) der Turbinen abschätzen.
Schaut man sich die hier aufgeführten Massen an so fällt auf, dass der RS2 Läufer (K24 Kontur 2) nur etwas höhere Masse aufweist als der S2 Läufer (K24.2 Kontur 3). Der Massenunterschied beträgt gerade mal ca. 7,6 %. Dem gegenüber ist der K24 Kontur 2 Läufer ganze 22,3 % leichter als der K26 Kontur 1 Läufer. Der große Einlassdurchmesser der K26 Turbine schlägt hier zu Buche.
Wichtiger als die reine Masse ist das Trägheitsmoment des Läufers. Hier ergeben sich noch größere Unterschiede (siehe Tabelle).


Ein Vergleich der Turbinenaustrittsflächen macht deutlich, dass der K24 Kontur 2 Läufer (RS2) deutliche Vorteile (Druck vor Turbine) gegenüber dem K24.2 Kontur 3 Läufer aufweist. Der Unterschied beträgt ganze 54 % mehr an Fläche. Der K26 Kontur 1 Läufer hat hingegen lediglich ein Flächenplus von 4,2 % gegenüber dem K24 Kontur 2 Läufer (RS2).




Zusammenfassend ist zu sagen:
 
Der K24.2 Kontur 3 Läufer (K24/7000) ist durch seine geringen Massen und der Kontur 3 (Gas kann länger die Turbine beschleunigen) für gutes Ansprechverhalten prädestiniert. Der K26 Kontur 1 Läufer ist recht schwer, hat jedoch den Vorteil einer relativ großen Turbinenaustrittsfläche. Beim RS2 Läufer (K24 Kontur 2) wird deutlich, dass hier bei der Entwicklung nicht geschlafen wurde. Er ist deutlich leichter (geringere Trägheit) als der K26 Kontur 1 Läufer und weist eine nur verhältnismäßig geringere Turbinenaustrittsfläche auf.
 
Das war es erst einmal mit den wichtigsten Läufern. Eventuell kann ich auch noch Bilder und Daten von K16 und K27.2 bzw. K27 Läufern nachschieben.
Ansonsten folgen dann als nächstes die Verdichter im 3K - Bezeichnungssystem.

Mit freundlichen Grüßen,
 
Richard.

Andi T.

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Re: Bezeichnungen/Bauteile und Übersicht von Ausführungen der KKK ATL
« Antwort #3 am: 17. Oktober 2011, 20:15:24 »
2. Verdichter

Im Bezeichnungssystem von 3K-BorgWarner wird neben der Turbine auch der Verdichter berücksichtigt.
Vor der Erklärung konkreter Bezeichnungen wieder vorab etwas Theorie.

Ich versuche die Sache mal GANZ EINFACH und ohne Gleichungen zu erklären.

Aus Strömungstechnischer Sicht besteht ein Verdichter aus einem Verdichterrad und einem Diffusor. Der Diffusor bildet den Übergang vom Verdichterrad in die Spirale des Verdichtergehäuses. Ganz allgemein setzt sich der Gesamtdruck (egal wo) immer aus zwei Komponenten zusammen. Eine Komponente ist der statische, die andere Komponente ist der dynamische Anteil. Die Summe beider Anteile muss immer gleich sein. Das heißt, wenn der dynamische Druck steigt muss der statische Druck sinken um wieder auf die gleiche Summe zu kommen.
Bewegt man ein Medium (z.B. Luft) so steigt in diesem Bereich lokal der dynamische Druck an, was ein Sinken des statischen zur Folge hat. Das kann man schön an einer Hauswand sehen. Wenn es ordentlich windig ist und man sich hier hinstellt….man bekommt keine Luft mehr (dynamischer Druck hoch, statischer Druck gering--->“Unterdruck“)

Nach diesem Prinzip funktioniert ein Verdichter. Das Verdichterrad wird angetrieben (hier von der Abgasturbine) und beschleunigt Luftmasse über die Verdichterschaufel. Das hat einen Anstiegt des dynamischen Druckes zur Folge. Der statische Druck sinkt, eine Saugwirkung stellt sich vor dem Verdichter ein. Diese beschleunigte Luft wird nun im Diffusor (Querschnitt wird größer im Verdichtergehäuse) abgebremst, die kinetische Energie der Bewegung wird in Druck umgewandelt (dynamischer Druck sinkt, statischer steigt). Der Verdichter hat Arbeit verrichtet.

Je nach Schaufelform des Verdichterrades kann dieses eine gewisse Luftmasse beschleunigen. Die Geometrie des Rades hat also entscheidenden Einfluss auf den zu erreichenden Druck (Druckverhältnis) und Durchsatz (Luftmassenstrom) des Verdichters. Je länger der Weg der Luft über die Schaufeln, desto stärker kann diese beschleunigt werden. Daher sind effektive Schaufeln nach links gekrümmt. Der Weg der Luft in den Diffusor ist länger als bei einer geraden Schaufel. Je größer die Fläche der Schaufeln, desto mehr Luftmasse kann diese bewegen, der Durchsatz steigt.
Größere Räder besitzen größere Flächen und die Schaufeln sind länger, demnach steigt der Durchsatz mit der Radgröße, bis zu einen bestimmten Grad an.
Stark gekrümmte, breite Schaufeln sind demnach sehr effektiv und steigern das mögliche Druckverhältnis, sowie den maximalen Durchsatz eines Verdichters. Aber auch die Fähigkeit schon bei geringen ATL – Drehzahlen den Druck aufzubauen als bei weniger effektiven Schaufeln, da schon bei geringen ATL - Drehzahlen mehr Luftmasse (Motorschluckvolumen) bewegt wird.

Ein guter Verdichter unterscheidet sich also von einem weniger Guten, bei gleicher Baugröße:

1. durch eine geringere Temperaturerhöhung des Luftdurchsatzes -> besserer Wirkungsgrad
2. früheren Ladedruckaufbau -> steile Pumpgrenze im Verdichterkennfeld
3. größeren Durchsatz -> Stopfgrenze im Verdichterkennfeld
4. höheres fahrbares Druckverhältnis -> im Verdichterkennfeld gezeigt als Drehzahlgrenze

Der Motor kann - im Vergleich - schon mit geringerer Abgasmenge den gewünschten Ladedruck bzw. Durchsatz liefern. Des Weiteren bringt ein besserer Verdichterwirkungsgrad mehr Luftmasse (höhere Dichte der Luft) und tiefere Ladelufttemperatur, was sich in der geringeren Klopfneigung und auch niedrigeren Abgastemperatur wiederspiegelt. Die Ladelufttemperatur im Saugrohr ist vergleichsweise niedrig.
Eine optimale Schaufelform kann natürlich nur mit entsprechend stabilen Materialien und Fertigungsverfahren realisiert werden, was ständig ein Entwicklungspotenzial darstellt.

Sehr wichtig für das Durchsatzverhalten eines Verdichters ist das Öffnungsverhältnis. Es ist das Verhältnis von Verdichterradeintritt im Durchmesser zu Verdichterradaustritt (großer Durchmesser).
Grundlegend kann man sagen:

Großes Öffnungsverhältnis ergibt:

hoher Durchsatz möglich, jedoch geringeres Druckverhältnis bei kleinen Durchsätzen -> Pumpgrenze verläuft flach

Kleines Öffungsverhältnis ergibt:

Druckverhältnis höher, jedoch geringerer Gesamtdurchsatz möglich -> Pumpgrenze ist steiler

--->Mögliche Druckverhältnisse und Durchsätze werden in dem sogenannten Verdichterkennfeld aufgetragen. Mehr dazu später.<---

Im Bezeichnungssystem vom KKK-BorgWarner werden die verschiedenen Geometrieformen der Verdichterräder mit Buchstaben beschrieben.
In den 70er Jahren wurde der G – Verdichter entwickelt. Er ist ein Mitteldruckverdichter und kam Anfang der 80er Jahre das erste Mal zum Einsatz (z.B. BMW 745 Turbo --> 1981 mit „3064 G“).
Auch der S2 (2470 G) und RS2 Lader (2672 G) haben solche Art Verdichter aber auch viele Porschemodelle.
Der Nachfolger des G – Verdichters war der M – Verdichter. Hier ist die Schaufelfläche (Schaufelanzahl erhöht siehe Tabelle!) schon stark erhöht worden, womit mit geringerer Größe mehr Luftmasse bei höheren Druckverhältnissen realisierbar war als mit G – Verdichter.
Gerne wurde dieser Verdichter auch für 5 Zylinder eingesetzt (z.B. 2970 M).
Als nächste Entwicklung kamen die „N“ bzw. „O“ Verdichter (Hochdruckverdichter). Dann die „X“ Verdichter, welche auf den O – Verdichter basieren. Bei kleineren Rädern wird aktuell auf „D“ Räder (Mitteldruckverdichter) zurückgegriffen, welche ebenfalls auf den O Rädern basieren.

Die Größenangabe und Angabe zur Verdichterart ist im KKK - Bezeichnungssystem folgendermaßen abgewickelt.
Beispiel RS2 (K24/7200) Verdichter. „K26 2672 GGC 6.12 GBARK“

26 = 2,6 Zoll = 66 mm = D = Verdichterradausgang
72 = „Öffnungsverhältnis“ in % = 72 % von 66 mm = 47,5 mm = d = Verdichterradeingang

Durch neuartige Schaufelformen konnte nicht immer diese Angabe eingehalten werden. Zum Beispiel misst der 3071 O Verdichter nicht 76 mm (3,0 Zoll) sondern 77 mm.

Das Erste G in der Bezeichnung 2672 GGC beschreibt also das Verdichterrad. Der zweite Buchstabe (hier auch G) beschreibt die Verdichtergehäusegeometrie (Spiralform). Der letzte Buchstabe beschreibt die „Trimform“ des Verdichters. Also die oben beschriebene Form der Kontur (d/D).

Hier einige Bilder vom S2 (2470 G), RS2 (2672 G) und 2877 X Verdichterrad. Schön ist der Unterschied der Geometrie des modernen 2877 X Verdichterrades im Vergleich der alten „G – Verdichter“ zu erkennen.






Der Unterschied des 2877 X Verdichters zum 2970 M (zwei Generationen älter als 2877 X) hat Tom schon ausführlich aufgezeigt DANKE NOCHMAL TOM! --> http://auditurboforum.de/index.php?topic=842.0

Das 2871 O stellt quasi den direkten Nachfolger zum 2970 M da und hat folgendes Erscheinungsbild. Es unterscheidet sich zu den X Rädern durch ein geringeres Öffnungsverhältnis.


Hier einige Verdichterräder mit ausgewählten Daten.

G – Verdichterräder:

„K24“

2470 G

D: 60,6 mm
d: 42,4 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 2,9
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,22 m³/s
Schaufelanzahl: 12

„K26“

2670 G

D: 66 mm
D: 46,2 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,25
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,245 m³/s
Schaufelanzahl: 12

2672 G

D: 66 mm
D: 47,5 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,6
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,27 m³/s
Schaufelanzahl: 12

„K27“

3064 G

D: 76,2 mm
d: 48,8 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,0
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,27 m³/s
Schaufelanzahl: 12

3070 G

D: 76,2 mm
d: 53,3 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,5
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,315 m³/s
Schaufelanzahl: 12

3072 G

D: 76,2 mm
D: 54,9 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,6
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,35 m³/s
Schaufelanzahl: 12

M – Verdichterräder:

„K27“

2970 M

D: 73,5 mm
d: 51,5 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,05
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,31 m³/s
Schaufelanzahl: 14

„K29“

3570 M

D: 88,9 mm
d: 62,2 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,0
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,45 m³/s
Schaufelanzahl: 14

O, D und X – Verdichterräder

„K24“

2480 D

D: 62 mm
d: 49,5 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 3,6
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,285 m³/s
Schaufelanzahl: 12

„K26“

2871 O

D: 71 mm
d: 50,5 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,35
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,31 m³/s
Schaufelanzahl: 14

2877 X

D: 71 mm
d: 54,8 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,1
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,36 m³/s
Schaufelanzahl: 14

„K27“

3071 O

D: 77 mm
d: 54,7 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,3
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,355 m³/s
Schaufelanzahl: 14

3371 O

D: 83,8 mm
d: 59,5 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,5
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,42 m³/s
Schaufelanzahl: 14

3375 X

D: 83,8 mm
d: 62,8 mm
Maximales Druckverhältnis „p2/p1“: ca. 4,2
Max. Durchsatz „V-rd“: 0,47 m³/s
Schaufelanzahl: 14


Ich werde dann als nächstes noch ein paar weitere Bilder nachschieben und die "Wald und Wiesen Bezeichnungen" (z.B. "K26/27/29") erläutern (ist ja recht simpel).

Mit freundlichen Grüßen,

Richard.
« Letzte Änderung: 17. Oktober 2011, 20:20:43 von Andi T. »

Andi T.

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Re: Bezeichnungen/Bauteile und Übersicht von Ausführungen der KKK ATL
« Antwort #4 am: 17. Oktober 2011, 20:24:11 »
Hallo liebe Turbogemeinde,

nach den offiziellen Bezeichnungssystem vom KKK – BorgWarner nun zu den alt hergebrachten „Wald und Wiesen“ Bezeichnungen.

Beispiel: K26/27/29-6

K26:

Basis ist ein K26 ATL, also besitzt der Lader eine K26 Turbine. Welche ist hier nicht ersichtlich (Kontur 1, Kontur 2, Kontur 3?).

27:

Das Verdichtergehäuse (mit passender Rückwand) ist von einem K27 (Teilenummer 5327 xxx xxx). Welches genau ist hier ebenfalls nicht ersichtlich

29:

Das Verdichterrad ist aus einem K29. Auch hier ist eine genauere Aussage nicht möglich (3470 M, 3471 M, 3570 M…. ?)

6:

Manchmal wird die „6“ oder „8“ („10“) noch mit angegeben. Es handelt sich hierbei um die Spiralgröße des Turbinengehäuses. Also Eines mit 6 cm² Halsquerschnitt, z.B. aus altem Audi 200 Turbo.

Hinter dieser Bezeichnung kann also eine Vielzahl von ATL – Kombinationen stecken.
So zum Beispiel:

K26 3471 MXB 6.11 GAARK

Also ein K26 mit Kontur 1 (D = 64,4 mm, d = 54,5 mm) und 6er Turbinengehäuse. Mit RIESIEGEM 3471 M Verdichterrad (D = 86,4 mm, d = 61,3 mm).
Meistens handelt es sich hierbei lediglich um einen K26 aus dem Audi 200 mit K27 Verdichtergehäuse aus alten BMW 745 i (3064 G Verdichter) welcher auf das entsprechende K29 Rad ausgedreht wurde.
Ich persönlich halte so eine Kombination für etwas „grobschlächtig“ („Steinzeitlader“). Solche Art Verdichter sind für über 5XX PS geeignet, wobei die K26 Turbine mit Kontur 1 und 6er Turbinengehäuse bereits bei etwas über 400 PS mit dem R5 20VT am Ende ist. Mit 8er Gehäuse etwa bei ca. 450 PS. Das Ansprechverhalten ist durch die relativ hohen rotierenden Massen eher mäßig. Die M-Verdichterradgeometrie ist mittlerweile überholt und die Vedichterradgröße meist überdimensioniert.

K26/27/27-X

Hinter dieser durchaus häufig anzutreffenden Bezeichnung können wieder vielfältige Verdichter / Turbinen Kombinationen stehen.
Sehr häufig handelt es sich hierbei um einen K26 3064 GGE 6.11 GAARK ATL.
Also wieder ein „Audi K26“ mit kompletten Verdichter vom BMW 745i. Dieser Verdichter ist dieses Jahr 30 Jahre alt geworden und entspricht lange nicht mehr dem Stand der Technik.
Leistungsfähiger sind die Kombinationen mit 3070 G und 3072 G Verdichter (beide von Porsche mit D = 76 mm). Sie sind schon kleiner und leichter als die K29 M-Verdichterräder (besseres Ansprechverhalten) und sind an der K26 Turbine gut gewählt. Jedoch ebenfalls mittlerweile veraltet.

Als „Rennsportlader“ wird häufig der K26 2970 MXB 6.11 (oder 8.11) verkauft. Er ist leichter (2970 M mit D = 73,5 mm) und hat eine geringere rotierende Masse als ältere K26/27 oder K26/27/29 Kombinationen. Für etwas über 400 PS ist er gut geeignet und sein Ansprechverhalten ist schon als gut zu bezeichnen. Aber selbst dieser Verdichter ist zwischenzeitlich altes Alu. (:))

Eine moderne reine K26/27/27 Kombination wäre zum Beispiel der K26 3071 OOB 8.11 GAARK wie der Stefan ihn hat. ----->http://auditurboforum.de/index.php?topic=863.0

Diese Kombination ist bis 450 PS geeignet.

K26/26/26-X

Zum Beispiel: K26 2871 OOB 6.11 GAARK
Zum Beispiel: K26 2877 XXB 8.11 GAARK


Der direkte Nachfolger des 2970 M Verdichters ist der 2871 O Verdichter. Er ist im Bezeichnungssystem jedoch kein K27 Rad mehr, sondern ein K26 Rad, welches selbst im 3K Systematik variiert. Mit seinen 71 mm Durchmesser kann er den gleichen Durchsatz liefern wie ein 2970 M (73,5 mm) oder 3070 G Rad (76 mm), kann jedoch ein höheres Druckverhältnis bei besserem Wirkungsgrad liefern. Er stellt die einfachste Möglichkeit da einen MODERNEN „400 PS K26“ zu bauen. Das 2877 X Verdichterrad (auch ein K26 Rad, D = 71 mm) toppt durch seine moderne Geometrie und dem 77 % Öffnungsverhältnis alle bekannten Räder dieser Klasse (2970 M und 3071 O Rad), mit einem 8er Turbinengehäuse sind echte K26-450 PS drin.
Auch eine Kombination eines K26 mit dem RS2 Verdichter (2672 G = K26 Verdichter) ist ein reiner K26/26/26-6 ATL (K26 2672 GGC 6.11 GAARK).

K24/26-X

Zum Beispiel K24 2672 GGC 6.11 GBARK (RS2)

Der originale RS2 (K24/7200) ATL besteht aus dieser Art Kombination. In Verbindung mit einem 2871 O oder 2877 X Rad handelt es sich immer noch um einen K24/26, jedoch mit DEUTLICH modernerem Verdichter. Durch seine sehr leichte, dennoch leistungsfähigen K24 Kontur 2 Turbine (siehe „Turbinen“ weiter Oben) der Ideale 400 PS Lader mit sehr guten Ansprechverhalten und Wirkungsgraden.

K24 2871 OOB 6.12 GBARK ---> „RS2+“
K24 2877 XXB 6.12 GBARK ---> „RS2++“

Mit freundlichen Grüßen,

Richard.